Plus-Bikes mit Plusbereifung

In den letzten Jahren scheint es eine Mountainbike-Inovation nach der anderen von der Eurobike auf die Trails zu schaffen. Einige Biker sehen in den ganzen verschiedenen Laufradgrößen nur eine Marketingstrategie der Bikeindustrie um noch mehr Material auf den Markt zu werfen, andere sind offen für neue Trends in der Mountainbike-Szene. Einer dieser Trends sind derzeit halbfette Reifen auf Allmountain- und Endurobikes.

Halbfett? – Ja, es ist ebend mit 2,8 Zoll bis 3 Zoll eine schmalere Variante eines Fatbike-Reifens ab 4 Zoll und mehr an Reifenbreite, und doch noch ein ganz schöner Brocken im Vergleich zu einem 2,35 Zoll Touren- und Enduroreifen. Hier wird einem beim bloßen Betrachten schnell das Wörtchen Rollwiderstand durch den Kopf gehen, auch wenn die Bikehersteller ihre Plus-Bikes als Allmountain und Enduros ausweisen, denen ja eine gewisse Agilität und Spritzigkeit auf den Trails innewohnt.

Raus aus dem Laden, ab auf den Trail
Im ersten Antritt merke ich, dass das Plus-Bike doch gut nach vorn geht und sich nicht so gutmütig träge wie ein typisches Fatbike verhält. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich wie auf einem Tourenfully. Nach Rollwiderstand fühlt sich das erstmal nicht an, auch wenn bei engen Lenkmanövern auf der Straße doch die Stollen ihr Lied vom Grip summen. Auf den ersten Trailmetern, die schon einiges an Wurzeln zu bieten haben merke ich schnell die Stärken von der Plusbereifung. Kleine Unebenheiten schluckt der großvolumige Schwalbe Nobby Nic einfach weg, ohne der Federgabel überhaubt einen Impuls zum Einfedern zu geben (wohl eher für den Fahrer gefühlt). Größere Wurzeln werden sanfter überrollt (gedämpftes Aufprallgefühl) und das Fahrwerk leistet dann auch sauber seinen Beitrag. Ich bekomme schnell ein Grinsen im Gesicht, weil mir das Plus-Bike auf dem vertrauten Trailstück neue Ideallinien offenbart. Lenken? – Nein, einfach drüber, DAS macht Laune und haut die Locken aus dem Bart!

Vom sehr gedämpften Überrollverhalten mit einer fetten Portion Grip kann ich nach kurzer Zeit schon nicht mehr genug haben und suche auf meiner Tour vorausschauend nach kleinen Spielplätzen für das Bike. LKW-Felgengroße Sandsteinblöcke, wie sie vermehrt im Eggegebirge verteilt liegen, bekommen eine neue Bedeutung für mich. Vorderrad kurz anziehen und mit etwas Schwung bin ich schon drüber gerollt. Schrägliegende Wurzelfelder in Hanglage auf dem Trail verlieren schnell ihren Schrecken. Einfach aus voller Fahrt draufhalten und staunen wie cool man doch Herr der Lage sein kann. Zugegeben, es erfordert anfangs sicherlich etwas Mut "mehr als sonst" zu wagen, da ich jedoch schon mit Fatbikes erfahren bin, ist mein Vertrauen in diese Bereifung schon zum Tourstart mit dem Plus-Bike vorhanden.

Die breiten Reifen rollen ohne spürbaren Rollwiderstand über Schotterwege und vermitteln bei schnellerer Abfahrt auf dem losen Untergrund mehr Sicherheit als schmalere Reifen. Spurenwechsel aus Fahrrinnen werden zum Kinderspiel. Auf weicheren Untergründen, wenn der Trail sich durch Fichtenbestände schlängelt, fühlt es sich im Vergleich zum "normalen" Touren-Mountainbike so an, als würde der Plus-Reifen besser rollen. Eine persönliche Empfindung, die ich auch schon bei der Umrüstung auf Tubeless-Reifen und weniger Reifendruck bei anderen Bikes hatte. Labortests von diversen Bikemagazinen belegen einen höheren Rollwiderstand schmalerer Reifen durch das tiefere Eindringen in weicheren Untergrund / Waldboden. Daher liegt es nahe, dass fettere Reifen hier Punkte holen können. Schlammpfützen und Wasser sollte man sich dann jedoch mit gedrosselter Geschwindigkeit nähern. Hier "schwimmt" der Plus-Reifen dann eher oben drauf, statt sich den hier nötigen Grip im tieferen Untergrund zu holen.

Fette Reifen und Federung
Da großvolumige Reifen ein gewisses Potential an eigener Federung haben, sollte man die Zugstufe und Federhärte der am Plus-Bike verbauten Federelemente immer passend zum Reifenluftdruck abstimmen. Das erfordert dann doch immer mal eine kleine Anpassung des gesamten Fahrwerksetups, da man den Reifendruck je nach geplanter Tour doch mal anpassen wird. Hat man das im Hinterkopf und checkt das vor Touren, wird man mit einem ganz neuen Fahrgefühl belohnt.

Meine Empfindungen der letzten Touren auf den Punkt gebracht

  • Plus-Reifen vermitteln Federungs-Reserven
  • weniger Rollwiderstand auf weicheren Waldböden
  • mehr Grip und Traktion bergauf
  • bessertes Überrollverhalten
  • Schwimmverhalten auf Schlammpfützen
  • je nach Reifendruck leichtes Schwimmgefühl (analog einem Fatbike)
  • abgedämpftere Aufprallimpulse bei groben Stößen durch Hindernisse

– Marc | 2Rad Brüne Marketing –